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Frühlingsspaziergang

Aufgewacht aus der Kälte und Dunkelheit des Winters, lockt mich ein Sonnenstrahl ins Freie. Ich streife meine Haare aus dem Gesicht und klopfe meine Lebensgeister wach, indem ich mich kräftig schüttle. Ich öffne meine verklebten Augen und meine verstopften Ohren und nehme wahr, wie die Natur durch die Kraft der Liebe zum Leben erwacht.
In meinem Inneren meldet sich ein leiser Klang – nicht zu überhören. Er ist jedoch tief verschüttet, überlagert von den Hüllen meiner verschimmelten Gedanken- und Verhaltensmuster, meiner Sorgen, meiner Verzweiflung, meiner Verletzungen und meiner Illusionen. Einige bunte Verzierungen aus schönen Erinnerungen, Träumen und Visionen kann ich auch erkennen.
Mondbucht


Ich spüre die Last meiner Hüllen in allen Bereichen meines Seins. Matt und ausgelaugt lehne ich mich am Stamm einer, von Lebensenergie strotzenden Birke, an. „Frühjahrsmüdigkeit“, nennt man das. Ich bleibe eine Weile stehen und spüre die aufsteigende Kraft aus der Erde kommend, in den Leitbündeln des Baumes ungehindert strömen.
Die Kraft der Sonne nimmt merklich zu, gleichzeitig bläst ein mahnender eisiger Nordwind durch meinen Körper. Der Kampf zwischen Wärme und Kälte, zwischen Licht und Dunkel beginnt. WER WIRD SIEGEN? Der leise Klang in meinem Innersten oder die Winterhüllen in mir, die ihn gefangen halten? Es liegt an mir wofür ich mich entscheide! Ich gehe weiter, überwinde Gräben, steige über Zäune, klettere den Hügel hinauf, begegne Menschen, die mir den eigenen Spiegel vorhalten, überquere sanfte Frühlingswiesen, koste frische Löwenzahn- und Sauerampferblätter, deren Wirkstoffe meinen Körper von Schlacken reinigen, gehe an scheinbaren Glanzlichtern vorbei, lasse mich hin und wieder von ihnen blenden, decke eigene Irrtümer auf, lasse mich von lauten Gedanken quälen, höre das Plätschern des Baches, die Lieder der Vögel, staune, lausche, schweige…….stolpere, falle hin, stehe auf, erkenne, entscheide, handle bewusst……..streife ab……… Der Klang in mir wird deutlicher und er beginnt in jeder Zelle meines Körpers zu schwingen. Ich lasse die Frühlingskraft, die sich aus der erwachenden Natur ergießt in mich einströmen. Jetzt weiß ich es: Der Klang in meinem Innersten ist der Glaube an das Immerwährende, das Unzerstörbare, den Funken allen Lebens. Ich lasse ihn durchbrechen: befreit……..erneuert…….heimgekommen……vom langen Spaziergang durch das Land der Illusionen.


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